Eine Ära geht zu Ende ;)

Am Wochenende haben wir die letzte eigene Hardware, welche für Hostingkunden eingesetzt war abgeschaltet.

Etwas Historie
Bereits 1998 betrieb ich in einem kleinen Rechenzentrum zwei eigene Server auf denen die Internetprästentationen von Kunden liefen. Diese ersten Server liefen unter SuseLinux 6 und später auf SuseLinux 7.
Im Jahr 2001 mieteten wir bei der Firma Claranet Rackspace an und zogen mit unseren Server nach Frankfurt in ein angemietetes Rack.
Ab dem Jahr 2002 liefen alle neu installierten Server unter NetBSD anfangs noch unter der Version 1.5. Dieses Betriebssystem, welches sich als extrem stabil und zuverlässig erwies war bis zuletzt, nun unter der Version 5 das Standardbetriebssystem unserer Server.
Bei der Hardware setzten wir von Anfang an auf Serverhardware in Rackgehäusen zuerst mit 4HE und 2HE dann alle weiteren mit 1HE.
Es kamen nur Servermainboards von Intel zum Einsatz, standardmäßig kamen 2 SCSI (bzw. zuletzt SAS) Festplatten in einem RAID 1 Verbund an ICP Vortex Controllern zum Einsatz. Dies trug zusätzlich zu den sehr geringen Ausfallzeiten bei.
Während der ganzen Jahre hatten wir nur einen Ausfall einer Festplatte. Durch den Raid1 Verbund beschränkte sich die Ausfallzeit auf das Austauschen der Platte.
Ein Tausch des Switches durch einem Leistungsfähigeren, der Tausch eines defekten Lüfters und der vorsorgliche Tausch  eines Netzteiles verursachten ebenfalls nur sehr kurze Ausfälle.
Softwareupdates wurden grundsätzlich Nachts durchgeführt. Diese Ausfallzeiten beschränkten sich aufgrund des Updatemechanismus auf die Zeit der Neustarts der Dienst.
Einen weiteren, nicht von uns verschuldeten Ausfall von ca. 5 Stunden gab es, als ein Brand die Stromversorgung des Rechenzentrums lahmlegte.
Kleinere, ebenfalls nicht von uns zu verschuldende kurze Ausfälle einzelner Dienste sind wurden durch die Programmierweise der Anwendungen unserer Kunden verursacht.
Somit haben wir eine Verfügbarkeit in den fast 14 Jahren von beinahe 100%.
Die tägliche Datensicherung lief über rsync auf Rechner im Büro und war so konfiguriert, daß bei einem Komplettausfall eines Servers in Frankfurt einer der ständig bereitstehenden Backupserver mit der letzten Datensicherung installiert werden konnte. Was zum Glück nie notwendig war. Selbstverständlich wurde in regelmäßigen Abständen die einwandfreie Funktion der Backupserver kontrolliert. Direkte Backups im Rack waren aus technischen Gründen nicht machbar.

Hier nun zur Dokumentation die Uptimes der letzten 4 Server, die am Wochenende abgeschaltet wurden.

Die Gründe für die Einstellung des Hostings auf eigener Hardware
Bedingt durch die Programmierung der Anwendungen unserer Hostingkunden insbesondere die  intensive Nutzung von Flash bei Spielen und Animationen sowie die Verwendung resorucenfressender Contentmanagement Systeme selbst für kleinste Webseiten erforderten es immer leistungsfähigere Hardware und zusätzlichen Administrationsaufwand. Gleichzeitig stieg die erforderliche Bandbreite für die Netzanbindung des Racks ständig an, so dass eine Promotionaktion zeitweise die gesamte Bandbreite der Rackanbindung von 100MBit belegte und die Erreichbarkeit der Webseiten der übrigen Kunden beeinträchtigte.
Wir zogen daraufhin die Server einiger Kunden in andere Rechenzentren, jetzt auf gemieteten Server um. Den restlichen Kunden es waren nur noch die Kunden einer einzigen Agentur, die noch auf den Servern im Rack in Frankfurt waren mussten wir, da die Einnahmen die Kosten für die Infrastruktur nicht mehr deckten kündigen.

Wie geht es nun weiter?
Das Hosting von Anwendungen hat nur noch einen sehr kleinen Anteil an der Geschäftstätigkeit. Wir werden die verbliebenen jetzt auf diversen gemieteten Serveren liegenden Internetpräsentationen auf virtuelle Server in einer Cloud umziehen. Erste Tests der Amazon Webservices, namentlich die EC2 Clouddienste verliefen sehr erfolgversprechend. Von der neuen Version 6 von NetBSD wird es vorauss. EC2 Images geben, die Version NetBSD 6.0 Beta2 läuft als EC2 Instanz bisher problemlos.
Vorteile dieser Verlagerung in die Cloud und vor allem der Amazon Web Services ist die gute Skalierbarkeit, die berechenbaren Kosten und die lange Erfahrung von Amazon. Die zusätzlichen Resourcen, die zum Beispiel eine Promotionaktion eines Kunden erfordert kann durch die Skalierbarkeit relativ einfach erhöht, neue Server aus bestehenden Konfigurationen leicht angelegt oder Loadbalancing dazugekauft werden.
In letzter Zeit bekannt gewordene Ausfälle bei Amazon kann man, mit erhöhten Aufwand durch das Verteilen der Anwendungen auf verschiedene Regionen minimieren. Durch den Verzicht auf eigene Hardware wird ein zusätzliches Ausfallrisiko ausgeschaltet.
Dies alles vereinfacht die Kalkulation für uns und auch für die Kunden.
Ich werde hier in diversen Beiträgen meine bzw. unsere Erfahrungen mit virtuellen Servern in der Cloud, beim Konfigurieren, beim Betrieb und der Wartung berichten.